Mein Reisetagebuch "Norwegen 2008"
„Ich wollte nach Norwegen, weil die Sommer dort angenehm kühl sein sollen!“
[Anja aus Hamburg]
… Pech für Anja das Hoch „Volker“ bescherte in diesem Sommer auch Norwegen mediterrane Temperaturen. Da darf der Whirlpool auch schon mal nordisch kühl sein: Baden im Fluss, dessen felsiges Bett viele kleine Pools mit Wassermassage bietet und das sogar zur Wasserrutsche taugt.
Während der Norweger seine sommerlichen Wanderungen häufig in Gummistiefeln unternimmt, waren wir fast immer in Tevas unterwegs.
Wir sind Helden!
Oops: Granit! Nicht für jeden ist Reibungskletterei Liebe auf den ersten Blick; aber wenn es funkt, dann hält sie ein Kletterleben lang. Unser Marco war sehr skeptisch, konnte sich aber dennoch am ungewohnten Kletterstil freuen. Trotzdem sehnt er sich nach wie vor nach Henkeln.
Unsere beiden Anfängerinnen nahmen’s wie’s kam und machten unter Ollis Anleitung Tag um Tag Fortschritte, die die alten Hasen, die für jeden halben Schwierigkeitsgrad hart trainieren müssen, mit Neid erfüllten.
Herausforderungen und Belohnungen gibt es für jeden Anspruch: wunderbare Routen über zehn Seillängen, die Chance, sein 60-Meter-Seil auszuklettern oder seine Nervenstärke in einer 6+ am Granit zu beweisen.
Held des langen Klettertages war unbestritten Jens. Gleich mehrmals half er Christina aus der Patsche, indem er ihr nicht die Hand, sondern das Seil zur Hilfe reichte. Fast alle hatten die Schwierigkeit der Sunny Times, einer 4+ an dem neuen Sektor Brokkestøylen unterschätzt.
Da immer neue Sektoren dazukommen, die seit Jahren von Hans Weninger und seinen Helfern eingebohrt werden, kommt man aus dem Probieren gar nicht heraus. Ganz neu in diesem Jahr eine 14-Seillängen-Tour. Da benötigt man doch ein bisschen Zeit… Die einzelnen Seillängen von manchmal 60 Metern ziehen sich ewig. Wie die Meisten haben auch unsere Kletterer diese einstein’sche Seildehnung unterschätzt und mussten ihr Abendessen kalt genießen.
Der Hausberg Løefjell liegt unweit unseres Ferienhauses. Den Einstieg erreicht man entweder mit einem 30-minütigen Spaziergang oder nach fünf Minuten-Autofahrt und einem viertelstündigen Anstieg. Nach einem anstrengenden Klettertag gönnten wir uns die ersehnte Abkühlung im kühlen Nass des Flusses.
Längs des Weges zum Nachbarort Valle liegen noch zahlreiche Felswände, die bis zu 10-Seillängen vorweisen können eine schier unüberschaubare Auswahl von lohnenden Routen.
Lunch on the rocks
Unser Mann vor Ort war, ist und bleibt Hessel. Ein blonder Wahlnorweger, der den Weg aus Holland fand und Ansprechpartner für alle Themen rund um Brokke ist. Daneben ist er ein begnadeter Koch, Veranstalter und Naturkenner. Er scheute keinen Weg und servierte uns selbst am Fels ein frisches Omelette.
Wer kocht heute…?
Und am Abend war der Tag noch lang nicht zu Ende. Die Kochmütze ging reihum die Küchentruppen versuchten sich gegenseitig zu übertrumpfen mit Kreationen aus unseren mitgebrachten Vorräten und den Einkäufen des Tages. Unsere Erlebnisse hielten uns bis tief in die Nacht beisammen. Wir alberten bis uns die Augen dann doch zufielen und wir uns in unsere gemütlichen Zimmer zurückzogen.
Der Morgen begrüßte uns zuverlässig gutgelaunt und sonnig. Und nach dem Frühstück ruft ein neuer Klettertag.
Einer der schönsten Abende war ein denkwürdiges Essen mit Live-Musik bei Hessel im Sami-Zelt. Hans Weninger und Peter Brunnert waren zu Gast. Die beiden können das Setesdal ihr Zuhause nennen. Ihnen verdanken wir viele der traumhaft eingebohrten Routen und die Anekdoten und Späße dieses Abends. Peter las aus seinen noch unveröffentlichen Manuskripten.
Leben wie die Samen
Unvergessenes Highlight war der Kanu-Trip und die Nacht im Sami-Zelt ums Lagerfeuer. Wer während der Kanufahrt nicht paddelte, durfte angeln. Christina, mit der Angel zwar noch recht unerfahren, zog einen Fisch nach dem anderen an Bord. Ein Festessen mit gegrilltem Fisch und Punsch am Lagerfeuer!
Unsere Unterkunft war ein traditionelles Zelt, wie es die einheimischen Samen zu bauen wissen. So schön kann Norwegen sein.
Für mich steht fest: Wir kommen wieder!
Eure Petra
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